|
Weihnacht
Die Winterstürme durchdringen
Die Welt mit wütender Macht.
Da sinkt auf schneeigen Schwingen
Die tannenduftende Nacht
Da schwebt beim Scheine der Kerzen
Ganz leis nur, kaum, daß du's meinst,
Durch arme irrende Herzen
Der Glaube ganz so wie einst
Da schimmern im Auge Tränen,
Du fliehst die Freude und weinst,
Der Kindheit gedenkst du mit Sehnen,
Oh, wär es noch so wie einst!
Du weinst!
die Glocken erklingen
Es sinkt in festlicher Pracht
Herab auf schneeigen Schwingen
Die tannenduftende Nacht.
R.M. Rilke
|
Wihnacht
Dei Winterstorm stümt üm uns Lüchten
Un wiest dei Welt sien Macht.
Un süh up schneiwitt Flüchten
Schwäwen Dannenrükels inne Nacht...
Dor schwäwt denn ok bi'n Lichtenschien
ganz liesing blot, kein bäten mihr,
dörch Harten as verbiestert Pien
dei Globen wenn't doch so as't vör Tieden wier...
Dor schämern in't Och dei Trånen,
wat günst du vör Freud so sihr,
dei Kinnertiet lött åhnen
oh, wenn't doch so as't vör Tieden wier. ...
Du günst!... Klocken beiern, Lichten lüchten
Dunn sacken dål as festlich Pracht
Up wunnerbor schneiwitte Flüchten
Dei Dannenrükels inne Nacht.
Mäkelborger Platt: Behrend Böckmann
|