Afscheed vun de Wiehnachtstied mit Rilke

Rainer Maria Rilke (1875-1926) taun 175. Geburtsdach in'n Julmånd 2025 un sienen 100. Doodsdach in't Johr 2026



Afscheed vun'n Wiehnachtsboom — morgen warrt afsmückt...

Weihnacht

Die Winterstürme durchdringen
Die Welt mit wütender Macht. —
Da — sinkt auf schneeigen Schwingen
Die tannenduftende Nacht…

Da schwebt beim Scheine der Kerzen
Ganz leis nur, kaum, daß du's meinst,
Durch arme irrende Herzen
Der Glaube — ganz so wie einst…

Da schimmern im Auge Tränen,
Du fliehst die Freude — und weinst,
Der Kindheit gedenkst du mit Sehnen,
Oh, wär es noch so wie einst!…

Du weinst!… die Glocken erklingen —
Es sinkt in festlicher Pracht
Herab auf schneeigen Schwingen
Die tannenduftende Nacht.

R.M. Rilke

Wihnacht

Dei Winterstorm stümt üm uns Lüchten
Un wiest dei Welt sien Macht. —
Un süh — up schneiwitt Flüchten
Schwäwen Dannenrükels inne Nacht...

Dor schwäwt denn ok bi'n Lichtenschien
ganz liesing blot, kein bäten mihr,
dörch Harten as verbiestert Pien
dei Globen — wenn't doch so as't vör Tieden wier...

Dor schämern in't Och dei Trånen,
wat günst du vör Freud so sihr,
dei Kinnertiet lött åhnen
oh, wenn't doch so as't vör Tieden wier. ...

Du günst!... Klocken beiern, Lichten lüchten —
Dunn sacken dål as festlich Pracht
Up wunnerbor schneiwitte Flüchten
Dei Dannenrükels inne Nacht.

Mäkelborger Platt: Behrend Böckmann


 


12.1.2026

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